“In Ihrem Alter ist das so.”

31. Januar 2026 | 0 Kommentare

Auf einen Blick

„In Ihrem Alter ist das normal“ ist einer der gefährlichsten Sätze in der Medizin. Referenzwerte werden aus einer durchschnittlich kranken Population ermittelt — „normal“ heißt nur: so schlecht wie alle anderen. Dein Körper ist kein Opel Kadett, der halt irgendwann auseinanderfällt. Er ist ein Präzisionsinstrument, das Wartung verdient, keine Resignation.

Diesen Satz hast du wahrscheinlich schon gehört.

Vielleicht beim Hausarzt, als du gefragt hast, warum du dich ständig müde fühlst.

Vielleicht bei der Blutuntersuchung, als ein Wert „noch im Referenzbereich“ war. Aber du trotzdem merkst, dass irgendwas nicht stimmt.

Oder beim Orthopäden, als er dein Röntgenbild angeschaut hat und meinte: „Naja, mit 45…“


Ich hab eine Frage an dich:

Wenn du einen Porsche 356 B besitzen würdest — Baujahr 1962, handgeschraubt, ein Meisterwerk deutscher Ingenieurskunst, würdest du den zur Inspektion bringen und akzeptieren, wenn der Mechaniker sagt:

„Naja, der ist halt 60 Jahre alt. Da ruckelt der Motor eben. Das ist normal.“

Würdest du das akzeptieren?

Oder würdest du sagen:

„Das ist ein 356 B. Der wurde gebaut, um zu laufen. Finde heraus, warum er ruckelt, und bring ihn wieder in Ordnung.“


Ich behaupte: In der Standardmedizin wirst du behandelt wie ein alter Opel Kadett.

„Ist halt so in dem Alter.“
„Die Werte sind noch im Rahmen.“
„Sie müssen sich damit abfinden.“

Und du — ob du’s zugibst oder nicht, akzeptierst das viel zu oft.


Aber hier ist die Wahrheit:

Dein Körper ist kein Kadett.

Dein Körper ist ein handgeschraubtes Wunderwerk, das über Millionen Jahre Evolution perfektioniert wurde.

Wenn etwas ruckelt, gibt es einen Grund.
Wenn du müde bist, gibt es einen Grund.
Wenn deine Werte „gerade noch okay“ sind, gibt es einen Grund.

Und dieser Grund heißt nicht: Alter.

Das Problem mit Referenzwerten

Und jetzt pass mal auf.

Wenn dein Arzt sagt „Ihre Werte sind normal“, meint er: Sie liegen innerhalb der statistischen Referenzwerte.

Aber weißt du, wie diese Referenzwerte entstehen?

Sie werden ermittelt, indem man eine große Gruppe von Menschen misst und dann sagt: „95% liegen zwischen X und Y. Das ist der Normalbereich.“

Das Problem?

Die Gruppe, die gemessen wird, ist nicht gesund.

Sie ist durchschnittlich.

Durchschnittlich übergewichtig.
Durchschnittlich gestresst.
Durchschnittlich unterversorgt.
Durchschnittlich entzündet.

Wenn du dich mit dem Durchschnitt vergleichst, vergleichst du dich mit Menschen, die genauso schleichend verfallen wie du. Nur ein paar Jahre früher oder später.

Was ich anders mache

Wenn jemand zu mir kommt und sagt „Mein Arzt sagt, meine Werte sind normal, aber ich fühle mich wie Müll“, dann schaue ich mir die Werte an.

Nicht: „Liegt das im Referenzbereich?“

Sondern: „Was sagen mir diese Werte über das, was in diesem Körper passiert?“

Wie ein Detektiv, der einen Tatort untersucht. Die Fakten lügen nicht. Aber man muss wissen, wie man sie liest.

Ein Ferritin von 35 ist „im Referenzbereich“ (15-150). Aber wenn du eine Frau bist, die sich erschöpft fühlt, ist 35 nicht „normal“. Es ist der Grund, warum du nachmittags auf dem Sofa liegst und dich fragst, wo deine Energie geblieben ist.

Ein Vitamin D von 28 ng/ml ist „ausreichend“. Aber „ausreichend“ heißt: Du bekommst keine Rachitis. Herzlichen Glückwunsch. Du hast die Mindestanforderung erfüllt, um nicht zusammenzubrechen.

Referenzbereich vs. Optimal

Marker
Referenz (“normal”)
Optimal (vital)
Ferritin

15-150 ng/mL

Keine Rachitis

80-120 ng/mL

Energie, Konzentration

Vitamin D

20-100 ng/mL

“Ausreichend”

50-80 ng/mL

Immunsystem, Knochen

TSH

0,4-4,0 mU/L

Keine Schilddrüsenkrise

1,0-2,0 mU/L

Stoffwechsel auf Touren

Kadett-Standard

“Der Motor explodiert nicht.”

Porsche-Standard

“Der Motor singt.”

Referenzbereich = nicht tot. Optimal = vital. Welchen Maßstab willst du?

Optimal? Sieht anders aus.

Der Unterschied zwischen „nicht krank“ und „vital“

Das ist der Kern.

Die moderne Medizin ist darauf ausgelegt, Krankheit zu diagnostizieren und zu behandeln.

Sie ist nicht darauf ausgelegt, dich vital zu machen.

„Nicht krank“ ist ein niedriger Maßstab.

Es ist das medizinische Äquivalent von: „Der Motor explodiert nicht“ bei einem 356 B.

Aber du willst ja nicht „nicht explodieren“.

Du willst, dass der Motor singt.

Dass du die Serpentinen raufziehst und merkst: Dieses Ding läuft wie am ersten Tag.

Was das für dich bedeutet

Wenn du das nächste Mal mit deinen Laborwerten beim Arzt sitzt und er sagt „Alles in Ordnung“, frag:

  • „In Ordnung gemessen woran?“
  • „Was wäre optimal, nicht nur normal?“
  • „Was könnte erklären, warum ich mich trotzdem so fühle?“

Nicht jeder Arzt wird begeistert sein. Aber ein guter Arzt wird nicken.

Aber das ist nicht dein Problem.

Dein Problem ist, dass du mit Werten durch dein Leben gehst, die zwar „nicht schlimm“ sind, aber dich trotzdem ausbremsen.

Der Porsche-Standard

Mein Vorschlag:

Behandle deinen Körper wie einen Porsche 356 B.

Nicht wie einen Gebrauchtwagen, der halt irgendwann auseinanderfällt.

Wenn etwas ruckelt: Finde heraus, warum.
Wenn die Leistung nachlässt: Finde heraus, warum.
Wenn der „Mechaniker“ sagt „Ist halt so“: Finde einen besseren Mechaniker.

Dein Körper ist das einzige Fahrzeug, das du nicht wechseln kannst.

Es lohnt sich, ihn zu verstehen.


P.S.: „In Ihrem Alter ist das so“ ist übrigens auch der Satz, den sie zu den Besitzern von 356 B’s gesagt haben. In den 80ern. Als diese Autos auf Schrottplätzen standen und für ein paar hundert Mark verkauft wurden.

Heute sind sie sechsstellig wert.

Weil jemand erkannt hat: Das ist kein alter Kadett. Das ist ein Meisterwerk.

Die Frage ist nur, ob du das bei dir selbst auch erkennst.

Your choice.


Bereit für den nächsten Schritt?

Dein Arzt sagt „normal“, aber du fühlst dich nicht so? Ich schaue mir deine Werte an. Nicht mit dem Maßstab „brauchst du Blaulicht?“, sondern mit dem Maßstab „was brauchst du, um richtig zu funktionieren?“

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Häufig gestellte Fragen

Sind Referenzwerte grundsätzlich falsch?

Nein. Sie sind nicht falsch. Sie beantworten nur eine andere Frage. Referenzwerte sagen dir: Brauchst du akut einen Arzt? Das ist wichtig. Aber sie sagen dir nicht: Funktionierst du optimal? Das ist ein anderer Maßstab. Beide haben ihre Berechtigung. Aber nur einer davon hilft dir, wenn du dich trotz „normaler Werte“ beschissen fühlst.

Mein Arzt sagt, alles ist in Ordnung. Was soll ich tun?

Lass dir die konkreten Zahlen geben. Schriftlich. Dann kannst du selbst prüfen, ob „in Ordnung“ für DICH auch „in Ordnung“ bedeutet. Oder ob du einfach im unteren Drittel des Referenzbereichs rumdürrst, während dein Körper nach mehr schreit.

Ab welchem Alter sollte ich mir Sorgen um meine Werte machen?

Ab sofort. Aber besonders ab Mitte 30, wenn physiologische Veränderungen messbar werden: Insulinsensitivität, Hormonproduktion, Mikronährstoff-Verwertung. Je früher du deinen Ist-Zustand kennst, desto einfacher ist es, gegenzusteuern. Mit 50 aufwachen und merken, dass du seit 15 Jahren im Energiesparmodus läufst, ist nicht schön.

Welche Werte sollte ich checken lassen?

Das kommt drauf an. Aber als Startpunkt: Ferritin, Vitamin D (25-OH-D3), Schilddrüse (TSH, fT3 und fT4, also die freien Schilddrüsenhormone), Entzündungsmarker (CRP, ggf. IL-6, ein Entzündungsbotenstoff), HbA1c (dein Langzeit-Blutzucker) und ein großes Blutbild. Das „große Blutbild“ beim Hausarzt ist übrigens NICHT so groß, wie der Name klingt. Ferritin und Vitamin D sind da meistens NICHT drin. Nachfragen.

Was kostet es, die Werte richtig anschauen zu lassen?

Die Laborwerte beim Hausarzt als IGeL: 50-150 Euro je nach Umfang. Die Analyse bei mir: Ersttermin inklusive ausführlicher Anamnese und Laborauswertung. Konkreter geht’s auf meiner Website. Spoiler: Es kostet weniger als ein Jahr lang mit Beschwerden rumzulaufen, die „normal“ sind.

Christopher bellafiore: dein heilpraktiker für osteopathie, chiropraktik und funktionelle medizin in würzburg

Christopher Bellafiore

Heilpraktiker | Chiropraktiker | Laborexperte

16 Jahre Praxiserfahrung, über 6.500 Patienten. Spezialist für Blutwerte, Mikronährstoffe und funktionelle Labordiagnostik. Wenn deine Werte „normal“ sind aber du dich nicht so fühlst: genau dafür bin ich da. Ersttermin vereinbaren →

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder Therapeuten Ihres Vertrauens.

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