Blutbild okay, aber trotzdem nicht YAY!? Warum ich deine Laborwerte anders interpretiere als dein Hausarzt.

20. Dezember 2023 | 0 Kommentare

Auf einen Blick

Dein Blutbild ist „in Ordnung“ – aber du fühlst dich trotzdem nicht gut? Das Problem: Referenzbereiche zeigen nur, ob du krank bist. Nicht, ob du optimal funktionierst. Der Unterschied zwischen „normal“ und „optimal“ kann 30–50 Einheiten auseinander liegen. Und genau in diesem Graubereich stecken die meisten, die hören: „Alles okay“ – und sich trotzdem mies fühlen.

Arzt: „Ihre Werte sind alle im Normbereich.“

Du: „Und warum fühle ich mich trotzdem beschissen?“

Arzt: „…“

Diesen Dialog kenne ich. Weil ich ihn fast jede Woche höre. Und weil er das präziseste Symptom eines Systems ist, das gut darin ist, Krankheit zu erkennen – aber blind dafür, ob du wirklich gut funktionierst.

Naja.

Was „normal“ wirklich bedeutet

Pass mal auf. Die meisten Menschen denken, ein Laborwert im Normbereich bedeutet: „Dein Körper ist in Ordnung.“ Das ist falsch. Was er wirklich bedeutet: „Du bist nicht krank genug, dass wir eingreifen müssen.“

Das ist ein Unterschied wie zwischen „das Auto fährt noch“ und „das Auto läuft perfekt.“

Woher kommen diese Normwerte überhaupt? Sie entstehen, indem man von tausenden Laborwerten einen Durchschnitt bildet – und dann die mittleren 95% als „normal“ definiert. Klingt vernünftig. Hat nur einen Haken: Diese tausenden Werte stammen von Menschen, die zum Arzt gegangen sind. Also von Menschen, die ein Problem hatten. Nicht von 50-Jährigen, die morgens um 6 aus dem Bett springen und fragen: „Darf ich auch was spenden für die Studie? Ich bin topfit!“

Ganz provokant: Wenn deine Laborwerte „normal“ sind, wirst du dich genauso durchschnittlich fühlen wie der Durchschnitt der Menschen, die zum Arzt gegangen sind.

Das ist das Fundament des Problems. Und ich finde es nicht in Ordnung, dass das niemandem erklärt wird.

Julia kam mit einem dicken Ordner

Ich denke an Julia. 38 Jahre alt, Unternehmerin, zwei Kinder. Kam mit einem dicken Ordner, randvoll mit Befunden. Drei Hausärzte, ein Internist, eine Endokrinologin. Überall dasselbe: „Alles normal. Vielleicht mehr Schlaf? Vielleicht weniger Stress?“

Ihr TSH: 2,8 mIU/l. Normal laut Labor (Referenzbereich 0,4–4,0).
Ihr Ferritin: 14 µg/l. Normal laut Labor (Referenzbereich 10–150).
Ihr Vitamin D: 22 ng/ml. Normal laut Labor (Referenzbereich 20–100).

Sie fühlte sich wie ein Smartphone auf Dauerbetrieb bei 12% Akku.

Jetzt schau mal, was die Forschung sagt. Studien zeigen, dass TSH-Werte über 2,5 mIU/l mit deutlich erhöhter Symptombelastung assoziiert sein können – auch bei formal „normalen“ Schilddrüsenwerten. Ferritin unter 30 µg/l korreliert in klinischen Beobachtungen mit Erschöpfung und verminderter Leistungsfähigkeit, obwohl viele Labore erst unter 10 µg/l als auffällig markieren.[1] [2]

Wir haben die Werte optimiert. Ferritin auf 80, Vitamin D auf 62, TSH auf 1,4. Nach 10 Wochen kam Julia wieder. „Ich weiß nicht genau, was anders ist. Aber ich bin wieder ich.“

Das ist YAY!. Das war vorher nicht da.

Julia: Normal vs. Optimal

Vorher — „alles normal“

TSH2,8 mIU/l
Ferritin14 µg/l
Vitamin D22 ng/ml
Befinden12% Akku

Nachher — optimiert

TSH1,4 mIU/l
Ferritin80 µg/l
Vitamin D62 ng/ml
BefindenYAY!

Alle Werte waren „im Normbereich“. Kein Arzt hätte eingegriffen. Der Unterschied zwischen „nicht krank“ und „optimal“ lag bei Julia bei 10 Wochen gezielter Optimierung.

Der Unterschied zwischen „krank“ und „optimal“

Stell dir vor, dein Körper ist eine Fabrik. (Das mit der Fabrik wirst du hier öfter lesen, weil es das beste Bild ist für das, was ich meine.)

Diese Fabrik kann auf 40% Kapazität laufen – läuft noch, liefert noch, macht noch keinen Alarm. Oder sie kann auf 95% laufen. Das Labor prüft: Läuft die Fabrik noch? Ja oder nein. Ich frage: Auf welchem Niveau läuft sie? Und warum nicht höher?

Das ist der fundamentale Unterschied. Der eine Ansatz verhindert, dass du ins Krankenhaus musst. Der andere sorgt dafür, dass du morgens aufwachst und denkst: „Heute bin ich dabei.“

Blutproben in reagenzgläsern im warmen laborlicht – jedes röhrchen erzählt eine andere geschichte über deinen stoffwechsel

Was genau sind Optimalwerte – und woher kommen die?

Optimalwerte kommen nicht aus meiner Fantasie. Sie kommen überwiegend aus der Leistungssportforschung – weil dort die Frage präzise untersucht wurde: Bei welchen Laborwerten bringen Menschen Spitzenleistung? Keine Panik. Du musst keinen Zehnkampf planen. Aber die Messlatte aus diesem Bereich ist deutlich präziser für die Frage „funktioniere ich gut?“ als ein Durchschnitt von Erkrankten.

Fünf Werte, die ich fast täglich anders interpretiere:

Vitamin D (25-OH-D3)
Referenz: ab 20 ng/ml gilt als normal. Mein Optimalbereich: 40–70 ng/ml.
Vitamin D ist kein Vitamin, sondern ein Steroidhormon. Es beeinflusst über 2.000 Gene direkt – Immunsystem, Muskelkraft, Stimmung, Schlafqualität, Entzündungsregulation. Bei 22 ng/ml bist du aus dem Krankenhaus raus. Bei 55 ng/ml funktioniert dein Körper anders. Das ist keine Meinung, das ist Biochemie.

Ferritin (Eisenspeicher)
Referenz: ab 10–15 µg/l normal. Mein Optimalbereich: 60–100 µg/l (Frauen), 100–150 µg/l (Männer).
Ferritin unter 30 µg/l und du hast suboptimale Sauerstoffversorgung der Zellen, verlangsamte Neurotransmittersynthese, gestörten Schlaf. Aber das Labor? Grünes Häkchen.

TSH und die vollständige Schilddrüse
Referenz TSH: 0,4–4,0 mIU/l. Mein Fokusbereich: 0,5–2,0 mIU/l.
Dazu: fT3, fT4, Schilddrüsenantikörper. Wer nur TSH misst, guckt durch ein Schlüsselloch auf ein Zimmer. Das meiste sieht er nicht. Deine Schilddrüse so: „Ich arbeite hier. Aber keiner gibt mir vollständige Informationen.“

Vitamin B12
Referenz: ab 200 pg/ml normal. Mein Optimalbereich: 600–900 pg/ml.
B12 ist für Myelinscheiden der Nerven zuständig. Für Neurotransmitterproduktion. Für Homocystein-Regulierung. Wer B12 bei 230 pg/ml hat und sich fragt, warum er nicht klar denkt – das könnte ein Hinweis sein.

hsCRP (hochsensitives C-reaktives Protein)
Referenz: unter 5 mg/l gilt als normal. Funktioneller Bereich: unter 1 mg/l als Ziel.
Chronische Niedrigstentzündung bei 2,8 mg/l? Labor sagt okay. Ich sage: Stille Entzündungen bremsen fast jede biochemische Kette. Das ist kein Zustand, den man einfach ignoriert.

Referenzbereich vs. Optimalbereich

Marker Labor sagt „normal“ Optimal
Vitamin D ab 20 ng/ml 40-70 ng/ml
Ferritin (Frauen) ab 10-15 µg/l 60-100 µg/l
TSH 0,4-4,0 mIU/l 0,5-2,0 mIU/l
Vitamin B12 ab 200 pg/ml 600-900 pg/ml
hsCRP unter 5 mg/l unter 1 mg/l

„It’s the Stoffwechsel, Baby.“

Das sage ich ganz oft. Weil es fast immer stimmt.

Wenn es im Stoffwechsel nicht richtig stoffelt – wenn also die Lieferketten nicht funktionieren, die Zellen nicht genug Rohstoff kriegen, die Energieproduktion auf Sparflamme läuft – dann zeigt sich das irgendwo. Manchmal als Erschöpfung. Manchmal als Rückenschmerz. Manchmal als Konzentrationsprobleme oder schlechter Schlaf.

Das Tückische: Die Werte sehen auf dem Ausdruck okay aus. Weil das Labor fragt „krank oder nicht krank?“ statt „optimal oder suboptimal?“

Laborwerte-ausdruck mit textmarker-markierungen – wer genauer hinschaut, findet mehr als nur normwerte

Ein Beispiel, das ich häufig sehe: Jemand hat Ferritin bei 14 – zu wenig Eisenspeicher. Nimmt Eisenpräparat seit 6 Monaten. Ferritin steigt trotzdem nicht.

Warum? Weil Eisen für die Aufnahme Vitamin C braucht, Vitamin B6, Magnesium. Weil die Darmschleimhaut in Ordnung sein muss. Weil erhöhte Entzündungsmarker den Eisenstoffwechsel komplett durcheinander bringen.

Du kannst 3 Eisenpräparate täglich nehmen. Wenn das Magnesium fehlt und stille Entzündungen schwelen – klingt der Eisentopf leer. Ich schaue mir dann die 3 bis drölf Werte an, die damit zusammenhängen könnten. Gerade diese Zusammenhänge machen den Unterschied.

Warum sagt das kein Hausarzt?

Das ist eine faire Frage, und ich beantworte sie gerne – ohne Ärzte zu verteufeln.

Dein Hausarzt hat durchschnittlich 7 Minuten pro Patient. Das ist nicht seine Schuld, das ist ein Systemfehler. In 7 Minuten kannst du keine Werte optimal interpretieren, keine Zusammenhänge herstellen, keine ausführliche Anamnese erheben.

Das Ziel im kassenärztlichen System ist Triage: Wer braucht sofort Hilfe? Wer ist stabil? Referenzwerte beantworten das ganz gut. „Bist du optimal?“ beantwortet dieses System strukturell nicht – nicht weil die Ärzte das nicht wollen, sondern weil es nicht vorgesehen ist.

Ich bin nicht das System. Ich habe mehr Zeit. Ich habe andere Messletten. Und ich stelle andere Fragen. Wenn du drei Mal „alles normal“ gehört hast und dich trotzdem nicht gut fühlst – dann weißt du jetzt, warum das kein Widerspruch ist.

Wir sind hier nicht bei „Ist so“, wir sind bei „Wunsch dir was.“

„Besonders positiv finde ich den ganzheitlichen Ansatz. Dadurch werden unerwartet ganz neue Aspekte und Ursachen von Beschwerden entdeckt. Verspannungsprobleme im Nacken könnten auch vom verspannten Kiefer kommen, Schlappsein und Müdigkeit von fehlender Lungenfitness beim Asthmatiker — weder Zahnarzt noch Orthopäde setzen bei solchen Zusammenhängen an.“

— Irmgard

Was diese Werte nicht sind

Wichtig, und das sage ich dir direkt: Optimalwerte sind keine Diagnose. Sie sind kein Beweis für eine Erkrankung. Sie sind Hinweise. Leitplanken. Ausgangspunkte für die Frage: Was könnte hier besser laufen, und warum tut es das nicht?

Ich sage nicht „du hast X“, wenn ich ein Ferritin bei 14 sehe. Ich sage: „Das ist ein Hinweis, den wir uns anschauen sollten.“ Das ist keine Absicherungsformulierung. Das ist der korrekte Umgang mit Labordaten – Werte allein diagnostizieren nichts. Sie ergeben im Kontext deiner Symptome, deiner Lebensweise, deiner Anamnese ein Bild.

Ich bin gut, aber kein Zauberer. Was ich dir verspreche: Ich bin ehrlich darüber, ob ich helfen kann.

Wenn der nächste Schritt tiefer geht: der IHHT-Faktor

Manchmal sind alle Werte okay – auch nach meiner Optimalwert-Lupe. Ferritin gut, Vitamin D gut, B12 gut. Und trotzdem läuft jemand auf 50%.

Dann schaue ich tiefer. Auf die Mitochondrien. Das sind die Kraftwerke deiner Zellen. Die produzieren ATP, also Energie auf zellulärer Ebene. Wenn die nicht richtig funktionieren, spürst du das als chronische Erschöpfung, als Belastungsintoleranz, als „ich schlafe 9 Stunden und bin trotzdem nicht ausgeruht.“

Mitochondriale Dysfunktion zeigt sich nicht auf einem Standard-Blutbild. Aber es gibt Hinweise in der Symptomkonstellation – und es gibt Therapieansätze, die direkt dort ansetzen. Einer davon ist IHHT. Vereinfacht: dein Körper atmet wechselseitig Luft mit weniger und mehr Sauerstoff. Das kann die Mitochondrien zu optimierter Energieproduktion anregen und die Sauerstoffverwertung auf Zellebene verbessern – bei geeigneten Kandidaten.

Ob das für dich in Frage kommt, lässt sich nicht pauschal sagen. Falls dich das interessiert: Es gibt ein kurzes Quiz, das dir zeigt, ob IHHT ein sinnvoller nächster Schritt sein könnte. Kein Verkaufsgespräch, keine Verpflichtung.

Zum IHHT-Selbsttest

„Aber ich nehme doch schon alles“ – warum Supplements oft nicht ankommen

Kurze Antwort: Weil Supplementierung ohne Diagnostik Lotterie ist.

Ich höre das oft: „Ich nehme schon seit Monaten Magnesium, Vitamin D, B12 und Eisen. Und trotzdem fühle ich mich nicht besser.“ Dann schaue ich mir das Blutbild an. Und meistens finde ich dort die Antwort.

Vitamin D ohne Vitamin K2 und Magnesium. Geht nicht. Dein Körper kann Vitamin D nicht ordentlich in aktive Form umwandeln und in die richtigen Gewebe einschleusen, wenn die Cofaktoren fehlen. Du machst Premium-Urin aus deinen Kapseln.

Eisen ohne B12, B6 und Vitamin C. Dein Dünndarm braucht für die Eisenaufnahme ein gut funktionierendes Transportprotein namens Transferrin. Das braucht wiederum Kupfer. Wenn Kupfer fehlt, sitzt das Eisen im Darm und kommt nicht an.

B12 in der falschen Form. Cyanocobalamin ist die billigste Form, die sich am längsten hält. Dein Körper muss sie erst umwandeln. Wenn du genetisch schlechter in dieser Umwandlung bist (MTHFR-Polymorphismus – ich erkläre das kurz: ein Gen, das Millionen von Menschen leicht anders funktioniert hat), kann B12 schlecht anlaufen. Methylcobalamin oder Hydroxocobalamin kommen da direkt besser an.

Ganz, ganz komprimiert: Supplements sind Rohmaterial. Der Körper ist die Fabrik. Wenn die Fabrik die Rohstoffe nicht verarbeiten kann, weil andere Rohstoffe fehlen oder Maschinen nicht laufen – dann hilft mehr vom gleichen Rohmaterial gar nichts.

Deswegen ist mein Ansatz: Erst messen. Dann gezielt supplementieren. Nicht raten, sondern messen. Das spart Geld, Frust und – am wichtigsten – Zeit.

Warum Supplements allein nicht reichen

Vitamin D

Vitamin D braucht K2 + Magnesium erst dann aktive Form

Ohne Cofaktoren = Premium-Urin

Eisen

Eisen braucht Vitamin C + B6 + Kupfer Transferrin-Transport

Ohne Cofaktoren = sitzt im Darm fest

B12

Cyanocobalamin muss umgewandelt werden MTHFR kann blockieren

Falsche Form = kommt nicht an

Das Prinzip

Rohstoff Fabrik (dein Körper) andere Rohstoffe nötig

Mehr vom Gleichen hilft nicht, wenn anderes fehlt

Erst messen, dann supplementieren. Nicht raten. Nicht Gießkannenprinzip. Gezielt das geben, was fehlt — in der Form, die ankommt.

„Ich hatte bereits eine Odyssee der Ärzte hinter mir. Für mich war der Besuch seiner Praxis ein Versuch, der sich auf ganzer Linie ausgezahlt hat. Herr Bellafiore hat durch eine umfassende Blutanalyse schnell herausgefunden, woran es lag — etwas, das zuvor kein Arzt geschafft hatte. Ich bin unendlich dankbar.“

— H. A., Würzburg

Die drei häufigsten Denkfehler rund ums Blutbild

Ich mache das jetzt seit 16 Jahren. Und es gibt drei Überzeugungen, die ich immer wieder höre – und die fast immer im Weg stehen.

Denkfehler 1: „Wenn was nicht stimmt, würde mein Arzt es sehen.“

Ja, er würde es sehen – wenn er die richtigen Parameter misst und mit dem richtigen Maßstab bewertet. Das kassenärztliche Standardlabor enthält TSH, großes Blutbild, Leberwerte, Nierenwerte, Glucose. Ferritin, Vitamin D, B12, hsCRP, Schilddrüsen-Antikörper: standardmäßig nicht dabei. Was nicht gemessen wird, kann nicht auffallen. Das ist kein Vorwurf an den Arzt, das ist Systemlogik.

Denkfehler 2: „Mit 45/50/55 ist Müdigkeit halt normal.“

Das ist mein absoluter Liebling. Wenn das mit dem Alter zu tun hätte, wären ja alle Leute, die älter sind als du, schlechter dran. Ist aber nicht der Fall. Es gibt 60-Jährige, die mehr Energie haben als manche 35-Jährigen – nicht wegen Genetik, sondern weil ihre Laborwerte, ihre Mitochondrien und ihre Stoffwechsel-Lieferketten funktionieren. Alter als Erklärung für schlechtes Befinden zu akzeptieren, bevor man es überprüft hat, finde ich nicht in Ordnung.

Was sagt man, wenn man nichts weiss? „Ja, in Ihrem Alter…“

Denkfehler 3: „Ich nehme schon Supplements, also ist das abgehakt.“

Habe ich gerade oben schon behandelt. Aber ich wiederhole es, weil es so wichtig ist: Einnehmen und Ankommen sind zwei verschiedene Dinge. Wenn die Absorption nicht stimmt, wenn die Cofaktoren fehlen, wenn stille Entzündungen die Verwertung blockieren – dann wandern deine teuren Supplements durch den Körper durch, ohne anzukommen. Ich sehe das in Blutbildern, wo jemand seit 2 Jahren täglich Vitamin D nimmt und trotzdem bei 24 ng/ml steht.

Das ist nicht Pech. Das ist ein Signal. Und Signale kann man lesen.

3 Denkfehler rund ums Blutbild

01

„Mein Arzt hätte es gesehen.“

Was nicht gemessen wird, fällt nicht auf. Ferritin, Vitamin D, B12: standardmäßig nicht im Kassenlabor.

02

„Mit 45 ist Müdigkeit normal.“

60-Jährige mit mehr Energie als 35-Jährige — nicht Genetik, sondern optimierte Laborwerte.

03

„Ich nehme schon Supplements.“

Einnehmen und Ankommen sind zwei Dinge. Ohne Cofaktoren wandern Supplements durch — ohne Effekt.

Welche Blutwerte du dir wirklich holen solltest – und was du damit anfängst

Ein Standardlabor kostet dich nichts – aber es zeigt dir auch fast nichts über die Frage, warum du dich nicht gut fühlst. Wenn du wirklich wissen willst, ob dein Körper optimal läuft, brauchst du ein erweitertes Panel. Hier ist, was ich empfehle – und warum.

Großes Blutbild + Differentialblutbild
Das ist der Ausgangspunkt. Zeigt dir rote Blutkörperchen, Hämoglobin, MCV (mittlere Zellgröße). Kleines Blutbild ohne Differentialblutbild ist wie ein Lageplan ohne Straßennamen. Hilft, aber zeigt dir nicht, wo du bist.

Ferritin + Transferrinsättigung
Nicht nur Ferritin. Transferrinsättigung zeigt dir, wie gut der Eisentransport funktioniert. Ferritin kann erhöht sein durch Entzündungen – und dabei trotzdem funktioneller Eisenmangel bestehen. Ohne Transferrinsättigung siehst du das nicht.

Vollständiges Schilddrüsenpanel
TSH, fT3, fT4, Thyreoidea-Peroxidase-Antikörper (TPO-AK) und Thyreoglobulin-Antikörper (TG-AK). TPO-Antikörper über dem Referenzbereich können auf eine Hashimoto-Thyreoiditis hindeuten – auch wenn TSH noch normal ist. Das ist einer der am häufigsten übersehenen Zustände bei Frauen über 30.

Vitamin D (25-OH-D3) + Vitamin D-bindendes Protein (VDBP)
VDBP wird selten gemessen. Dabei kann ein erhöhtes VDBP dazu führen, dass dein Vitamin D gut aussieht im Blut – aber kaum bioverfügbar ist. Das freie Vitamin D – der Teil der wirklich in die Zellen kann – kann trotzdem niedrig sein. Seltenes Szenario, aber relevant bei manchen chronischen Erschöpfungsbildern.

Homocystein
Einer meiner Lieblingsmarker, weil er so viel verrät. Homocystein ist ein Stoffwechselzwischenprodukt. Wenn es erhöht ist, deutet das auf Probleme im Methylierungszyklus hin – ein biochemischer Weg, der B12, Folsäure, B6 braucht. Chronisch erhöhtes Homocystein (über 10 µmol/l) ist ein unabhängiger Risikofaktor für Herzkreislauf-Erkrankungen. Aber vor allem ist es ein früher Hinweis darauf, dass etwas in deiner Zellerneuerung nicht stimmt.

Cortisol (morgens, nüchtern)
Nicht in jedem Fall nötig, aber bei chronischer Erschöpfung, die sich trotz gutem Schlaf nicht bessert, lohnt es sich. Cortisol ist dein Wachmachhormon. Zu niedrig morgens: du kommst nicht in Gang. Zu hoch (oft bei chronischem Stress): dein Körper läuft dauerhaft auf Alarmstufe, verbrennt Ressourcen und liefert trotzdem nicht YAY!

Das klingt nach viel. Ist es auch. Nicht jeder braucht alles auf einmal. Wenn du mit einem Befund zu mir kommst, schaue ich zuerst, was schon gemessen wurde – und dann entscheiden wir zusammen, was wirklich Sinn macht. Ich ordere keine Tests um des Testens willen. Das kostet Geld und Zeit, und das respektiere ich.

Was du jetzt tun kannst

Schritt 1: Hol dir einen vollständigen Blutbefund. Nicht nur TSH und großes Blutbild. Bitte deinen Arzt um: Ferritin, Vitamin D (25-OH-D3), B12, hsCRP und ein Schilddrüsenpanel (TSH, fT3, fT4). Manche machen das, manche nicht. Wenn nicht, kannst du das auch über meine Praxis organisieren.

Schritt 2: Wenn du einen Befund hast – auch einen alten – zeig ihn mir. Ich schaue mir an, was die Werte wirklich sagen. Nicht nur ob du im Referenzbereich bist, sondern ob du im Optimalbereich sein könntest.

Schritt 3: Dann entscheiden wir gemeinsam, was als Nächstes sinnvoll ist. Das kann Supplementierung sein, Ernährungsanpassung, gezielte Therapie – oder auch ein „Lass uns in 6 Wochen nochmal messen.“ Das Ziel ist, dass du mich so schnell wie möglich nicht mehr brauchst.

Your choice.

[1] Verdon F et al. „Iron supplementation for unexplained fatigue in non-anaemic women: double blind randomised placebo controlled trial.“ BMJ 2003;326(7399):1124. PMID: 12767921

[2] Bjøro T et al. „Prevalence of thyroid disease, thyroid dysfunction and thyroid peroxidase antibodies in a large, unselected population.“ European Journal of Endocrinology 2000;143(5):639–647. PMID: 11072952


Zeig mal her.

Du hast einen Laborbefund und willst die YAY!-Perspektive darauf? Oder du weißt gar nicht, was du untersuchen lassen solltest? Meld dich. Ich schaue mir an, was deine Blutwerte wirklich bedeuten – nicht nur ob du krank bist, sondern ob du optimal funktionierst.

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Häufig gestellte Fragen

Warum fühle ich mich schlecht, obwohl mein Blutbild normal ist?

Referenzbereiche zeigen nur, ob du krank bist – nicht ob du optimal funktionierst. Es gibt einen großen Graubereich zwischen „krank“ und „optimal“, in dem die meisten Beschwerden entstehen: Ferritin bei 14 gilt als normal, aber unter 30 µg/l berichten viele Betroffene von Erschöpfung. Vitamin D bei 22 ng/ml gilt als normal, aber unterhalb von 40 ng/ml fehlt dem Körper ein wichtiger Baustein für Immunfunktion, Muskelkraft und Stimmungsregulation.

Was ist der Unterschied zwischen Referenzwerten und Optimalwerten?

Referenzwerte basieren auf dem Durchschnitt von Menschen, die Laborwerte abgenommen haben – also von Menschen mit einem Anlass. Das ist nicht dieselbe Gruppe wie Menschen in Höchstform. Optimalwerte orientieren sich an dem Bereich, in dem dein Körper am besten funktioniert – abgeleitet unter anderem aus der Leistungssportforschung und der funktionellen Medizin. Bei Vitamin D liegt der Referenzbereich ab 20 ng/ml, der Optimalbereich bei 40–70 ng/ml.

Welche Blutwerte sollte ich zusätzlich testen lassen?

Vitamin D (25-OH-D3), Ferritin (Eisenspeicher), B12, hsCRP (Entzündungsmarker), Schilddrüsenpanel (TSH, fT3, fT4) und ggf. Homocystein. Diese werden selten standardmäßig untersucht, liefern aber wichtige Hinweise darauf, warum jemand trotz „normalem“ Blutbild nicht auf Touren kommt.

Kann ich mein Blutbild auch online besprechen?

Ja. Ich halte Termine auch online ab. Du kannst deinen Laborbefund hochladen und wir schauen ihn gemeinsam durch. Falls du noch keinen Befund hast, aber wissen willst, welche Werte sinnvoll wären – auch das können wir besprechen. Einen Termin buchst du hier: Termin vereinbaren

Was hat IHHT mit Blutwerten zu tun?

IHHT (Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Training) setzt auf der Ebene der Mitochondrien an – also dort, wo Energie in den Zellen produziert wird. Wenn alle Laborwerte okay sind, du aber trotzdem chronisch erschöpft bist, kann das ein Hinweis auf mitochondriale Dysfunktion sein. IHHT kann bei geeigneten Kandidaten die zelluläre Energieproduktion unterstützen. Ob das für dich passt, zeigt der IHHT-Selbsttest.

Christopher bellafiore

Christopher Bellafiore

Heilpraktiker | Chiropraktiker | Laborexperte

16 Jahre Praxiserfahrung, über 6.500 Patienten. Spezialist für Blutwerte, Mikronährstoffe und funktionelle Labordiagnostik. Wenn deine Werte „normal“ sind, du dich aber nicht so fühlst – genau dafür bin ich da. Ersttermin vereinbaren →

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die genannten Optimalwerte sind keine medizinischen Diagnosekriterien, sondern Orientierungswerte aus der funktionellen Medizin und Leistungssportforschung. Individuelle Ergebnisse können variieren. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder Therapeuten Ihres Vertrauens.

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